Zitat: Romano Guardini

Was bedeutet also der Baum? Weder die Erkenntnis, noch das Geschlecht, noch das Verlangen nach personaler Mündigkeit. Er ist überhaupt kein Symbol eines Lebenswertes und Wertverlangens bzw. der Versagung eines solchen, sondern Malzeichen  von Gottes Hoheit, sonst nichts. Er sagt dem Menschen: In deinem Bewußtsein, in deiner Gesinnung, in deinem ganzen Dasein soll allbestimmend die Tatsache stehen, da? nur Gott „Gott“ ist, du hingegen Geschöpf. Die Tatsache, daß du wohl Sein Ebenbild bist, aber nur Ebenbild; Urbild Er allein.  Du darfst und sollst Herr über die Welt sein; aber von Seinen Gnaden, denn Herr von Wesen ist nur Er. Das ist die Ordnung. Aus ihr heraus sollst du dich verstehen und in ihr leben. In ihr zur freien Persönlichkeit wachsen, die Wahrheit erkennen, dich in Fruchtbarkeit erfüllen und die Welt in Besitz nehmen. Von der Frucht des Baumes nicht zu essen, bedeutet keinen Verzicht auf Wesentlichkeiten deines menschlichen Seins, sondern den Gehorsam, in welchem du deine Endlichkeit anerkennst; und damit die Entscheidung für die Wahrheit.

Romano Guardini, Der Anfang aller Dinge – Meditationen über Genesis I – III, S. 65-66

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