Star Wars – Episode VIII: Die letzten Jedi

Star Wars – Episode VIII: Die letzten Jedi

In früheren Zeiten war es etwas schwieriger, Filmkritiken zu bekommen. Mittlerweile sind aber einige auf den Geschmack gekommen und so wird man beispielsweise auf Youtube mit diesen geradezu bombardiert und jeder möchte seine Meinung zu einem Film kund tun. Tja, und jetzt scheine ich mich über diesen Zustand zu beschweren und schreibe dennoch selbst eine Filmkritik. Daraus mache man, was man will, jedenfalls werde ich nur zu einer weiteren Stimme im erdrückenden Chor.

Von Fans und Kritikern

Warum bricht aber gerade dieser Film mein Schweigen, wenn ich seit Jahren keine Filmkritik mehr verfasst habe? Ich bin schon seit frühester Kindheit Star Wars-Fan, wodurch ich gezwungenermaßen den Versuchen Disneys folge, aus dieser Marke Profit zu schlagen. Viel interessanter sind aber die Reaktionen von manchen Kritikern. Zu Zeiten, als noch regelmäßig Harry Potter-Filme in die Kinos kamen und rezensiert werden mussten, konnten es sich diese Kritiker nicht verkneifen, obwohl selbst keine Harry Potter-Fans, so zwingend, wie auf das Wort ‚früher‘ der Satz ‚war alles besser‘ folgend musst, den Satz zu schreiben: „Den Fans wird das gefallen.“ Man fragt sich, warum ein uninvolvierter Kritiker sich darüber Gedanken macht und Fans vorschreiben will, was sie von dem Machwerk zu halten haben. Nicht mal eine Sekunde wird ein Gedanke daran verschwendet, dass Fans einen ganz anderen Blick auf das ganze haben und man sich vielleicht auf seine Perspektive beschränken sollte. So möchte ich mir jedes Mal die Haare herausreißen, wenn ich Sätze lese, wonach dieser Film „bold“ (dt. kühn), „unexpected“ (dt. unerwartet) oder „challenging“ (dt. herausfordernd) sei. Für Disney mag es zur ‚Stunde Null‘ (also die Übernahme Lucasfilms) nur die sechs Filme und die TV-Serie The Clone Wars gegeben haben, Fans hingegen haben die Bandbreite aus über drei Jahrzehnten wahrgenommen. Als kleiner Hinweis: Dieses Universum umfasst auf der einen Seite den seltsamen Soundtrack zu Republic Commando und die philosophische Ader aus Knights of the Old Republic 2: The Sith Lords, während auf der anderen Seite Reihen wie Young Jedi Knights für junge Leser warten – und es hielt diese Spannung sehr schön aus. Man braucht also schon ein bisschen mehr, um uns Fans zu schocken.

Ein wenig Geplänkel

Bisher hat man ja zwei Filme im Disney-Universum veröffentlicht. Das Erwachen der Macht (TFA) hielt ich für einen soliden Film, als er erschien, wobei er mit steigendem Alter einfach im Vergleich mit seinen Nachfolgern immer besser wird. Zu Rogue One habe ich mich ja schon geäußert. Jetzt veranlasst mich Episode VIII, im Text jetzt als TLJ (für engl. The Last Jedi) abgekürzt, dazu, auch etwas zu sagen, weil ich fasziniert bin, wie man einen FIlm so gegen die Wand fahren kann. Dabei sage ich vorne weg, dass ich die gesamte Handlung spoilern muss. Es ist ein Faktum, dass keine Kritik, die Substanzielles zu diesem Film zu sagen hatte, lange ohne Spoiler auskam. Es ist das Gegenteil zum Film Inception (2010): Damals schien es egal, wie viele Spoiler ein Kritiker verwendete, dem Film schadete es nicht.

Weiterhin kann ich mich nicht mit allgemeinen Plattitüden begnügen, da sowohl die großen Strukturen als auch die kleinen Details in TLJ nicht stimmig sind. So komme ich nicht Drumherum, viele Momente des Films zusammenzufassen. Am liebsten wäre es mir, für den Film einen Audiokommentar anzufertigen, damit man direkt sieht, worüber ich rede. Damit kann ich es dem Leser auch nicht ersparen, kontinuierlich zwischen großen Sachen, die der Film falsch macht, und kleinen Details, die keinen interessieren werden, herumzuspringen. Warum ich letztere nicht weglasse, erkläre ich gleich. Die einzig tröstende Sache ich dabei, dass ich weiß, wer TLJ in diese Spur gebracht hat: Rian Johnson als Autor und Regisseur zugleich. Das hilft mir kaum weiter, ist aber trotzdem erwähnenswert.

Ganz grob lässt sich die Handlung in fünf (eigentlich sechs) Elemente aufteilen: Flucht vom Widerstandsstützpunkt, Rey und Luke auf der Insel, die Verfolgung des Widerstandes durch die Erste Ordnung (hier werde ich auch die Nebenhandlung auf Canto Bight bearbeiten), Rey, Kylo Ren und Snoke und zu guter Letzt der Kampf auf Crait.

Eine Raumschlacht ohne Helden

Von Anfang an fällt man der Verwirrung anheim. TFA etablierte ein Universum, in dem das Imperium zwar besiegt, aber nicht völlig ausgelöscht war. Die Neue Republik schien an der Macht zu sein, jedoch bot die Erste Ordnung eine Gefahr. Deswegen gibt es den Widerstand mit Unterstützung der Neuen Republik zur Bekämpfung der Ersten Ordnung. Verwirrt? Gut, denn so geht es mir mittlerweile. Man werfe den ersten Trilogien vor, was man will, aber die politische Situation war in beiden klar. Original-Trilogie (Episoden IV – VI) [OT]: Das Imperium hat die Macht, erst mit der Zerstörung des zweiten Todessterns und der Flotte bei Endor können die Rebellen eine neue Republik aufbauen. Prequel-Trilogie (Episoden I – III) [PT]: Die Alte Republik ist an der Macht, die Separatisten spalten sich von dieser ab, am Ende regiert das Imperium über die gesamte Galaxis.

Die Situation ist in TFA und nochmals mehr in TLJ deutlich unklarer. Hat die Erste Ordnung dieselbe Macht wie das Imperium? Besteht der Widerstand nur aus einer kleinen Bande Rebellen? Hat der Widerstand eine nennenswerte Flotte? Und ist das ein Politthriller oder ein Space-Opera-Film? Warum muss ich mich eigentlich mit den politischen Rahmenbedingungen beschäftigen? Entweder ich mache sie simpel, damit ich diese klar darstellen kann oder ich gebrauche Zeit, um dies zu tun. Dadurch hat die PT auch etwas langwierige Szenen, jedenfalls ist die grundlegende Situation klar.

Sei’s drum. Nach der Vernichtung der Starkillerbase, deren Zerstörung die Macht der Ersten Ordnung kaum beeinträchtigt hat (das war in TESB ähnlich, aber da wussten wir, dass das Imperium noch eine Flotte besitzt und Darth Vader überlebt hat), will die Erste Ordnung den Widerstand vollends auslöschen und greift mit seiner Flotte den Stützpunkt des Widerstands an, der gerade im Begriff ist, diesen zu evakuieren.

Poe Dameron, einer der Helden aus TFA, beginnt einen Einzelangriff mit seinem X-Flügler auf einen Kreuzer der Ersten Ordnung. Sein Ziel ist es, die Flotte abzulenken, damit der Rest des Widerstandes den Planeten ungestört zu Ende evakuieren kann. Dazu verwickelt er General Hux in ein zutiefst unlustiges Gespräch, welches ein Paradebeispiel für die unnütze Comedy in diesem Film ist, die jede Spannung im Keim erstickt und der ganzen Szene ihrer Logik beraubt. Gekrönt wird es durch Poes Ansatz eines „Deine Mutter“-Witzes.

Mehrere Fragen ergeben sich: Warum redet Hux mit diesem einzelnen X-Flügler, wenn es sein erklärter Zweck ist, alle Schiffe des Widerstandes restlos zu vernichten? Poes Angriff zielt darauf ab, die Geschütze an der Oberseite des Zerstörers auszuschalten. Warum das diesen Zerstörer davon abhalten sollte, seine Hauptgeschütze an der Unterseite auf den Planeten zu richten, ist das Geheimnis des Drehbuchautors in seiner linken Tasche. In seiner rechten Tasche findet man dann den Grund, warum keine Tie-Fighter gegen Poe losgeschickt werden. Dies wird nicht dadurch verbessert, dass der Kommandant eben jenes Zerstörers auf diese Umstand aufmerksam macht. Man merke: Ein Logikloch füllt sich nicht durch Aufhängen eines Schildes.

Jetzt offenbart sich aber Poes Charakterbogen für diesen Film. Entgegen eines direkten Befehls von General Organa führt er den Angriff auf den Zerstörer durch. Zwar gelingt das, aber dabei verliert man die gesamte Bomberflotte. Meine Argumentation ist ja, dass diese ohnehin nicht viel zu taugen schienen, denn selbst unter besten Bedingungen ist es nur mit Müh und Not gelungen, seinen Zweck zu erfüllen. Aber das war böse. Denn Poe hat zu impulsiv gehandelt. Zwar erreicht er mehr als alle anderen in diesem Film, in Anbetracht der erdrückenden Macht der Ersten Ordnung scheint diese ebenso unbedeutend zu sein. Wir kommen auf Poe noch später zurück.

Kommen wir doch zu den Details. Völlig untypisch für mich habe ich gerade die ganzen kleinen Fehler in dieser Sequenz niedergeschrieben. Normalerweise achte ich auf sowas erst nach mehrmaligen Sehen. Soll ich mal richtig verrückt sein und mein EU-Wissen(=Expanded Universe, dt. Erweitertes Universum, Begriff für sämtliche Romane, Spiele, etc. im SW-Universum) raushängen lassen? Der Widerstand benutzt einen A-Flügler als Begleitschutz für die Bomber. Dabei handelt es sich um schnelle Abfangjäger, deren Geschwindigkeitsvorteil nichtig ist, wenn sie langsamere Raumschiffe begleiten. Es gibt EU-Werke, die genau das ansprechen.

Aber warum fällt mir das während der Szene auf, nicht in der Nachbetrachtung? Weil sie mich emotional völlig kalt lässt.

Shifu Luke und Tai Ren

Bisher war das alles noch harmlos und es kann noch gut werden. Tatsächlich tauchen auch bald die einzig guten Szenen auf, die mir im Film begegnet sind. Rey ist zu Luke gereist, in der Erwartung von diesem trainiert zu werden. Als sie diesem sein altes Lichtschwert präsentiert, wirft er es nachlässig über die Schulter. Warum sie sein blaues Lichtschwert erhalten hat, ist ohnehin fragwürdig, steht dieses doch für seinen Vater und Lukes Versage im ersten Kampf mit diesem. Zudem sollte es im Innern eines Gasriesen nicht aufzufinden sein. Dahingegen steht Lukes grünes Lichtschwert für seinen Übergang zu einem Jedi.

Allerdings hat sich Luke Skywalker vom Jedi-Weg abgewendet. Warum? Weil er bei der Ausbildung von Ben Solo, oder auch Kylo Ren, versagt hat. Er spürte das Böse in ihm, das Snoke erweckt hatte und entschloss sich, wenn auch nur für einen Moment, die Gefahr direkt zu bannen. Kylo Ren fühlte sich verraten und wandte sich endgültig der dunklen Seite zu. Was ist Lukes Reaktion? Er verkriecht sich. Das passt nicht zu dieser Figur. Hält die Jedi für überflüssig, denkt sie müssen aussterben. Wobei er dabei auch nicht konsequent ist, denn ansonsten würde er die Insel weder „heilige Insel“ nennen noch die antiken Jedi-Texte aufbewahren. Und Snoke genau mitteilen wo er ist, damit dieser die Insel und ihn vernichten kann.

Luke sagt, es sei Anmaßung, wenn man sage, „sterben die Jedi, dann stirbt das Gute“. Was einer der dümmsten Sätze dieses Drehbuchs sein muss, wenn man bedenkt, dass die Jedi zur gesamten Zeit des Imperiums ausgestorben waren und Luke versagt hat, diese zurückzubringen. Der Luke der OT hätte sich aber nicht verkrochen, er hätte gekämpft. Gut, er hätte auch nicht versucht, Ben umzubringen, denn er glaubte ja auch bei Vader an eine Bekehrung. Er wäre bereit gewesen, sich gegen Kylo Ren zu stellen, wenn es sein müsste, täte dies aber mit dem gleichen Widerwillen wie Obi Wan dies gegen Anakin in RotS tat.

Noch lange bevor TLJ rauskam, konnte man Mark Hamill vernehmen, der Sachen sagte wie, „I disagree with every decision you [Rian Johnson] made about this character.“ Er scheint das mittlerweile ein wenig zu revidieren, aber ich stimme dem immer noch zu. Das Problem liegt freilich woanders. TFA hat es gewagt, das unsägliche zu tun: Es hat nach dem Happy End eingesetzt. Die Helden triumphierten und lebten glücklich bis an ihr Ende. Und dann kam Episode VII und hat diese Idylle zerstört. Egal, was nun folgt, es muss notwendigerweise alles vernichten, wofür diese Figuren gekämpft haben. So sollte es in dem Film weniger heißen, die Jedi müssten sterben. Vielmehr stimmt es, dass die alten Charaktere sterben müssen, damit neues entstehen kann. Nicht umsonst stehe ich auf dem Standpunkt, für eine schlüssige Episode VII hätte es ein Remake von Episode VI gebraucht.

Tragischerweise hat der Film gerade dann lichte Momente, wenn er dem erwartetem folgt und Luke Rey unterrichtet. Seine erste Lektion zeigt, welches Potenzial in dieser Figur doch noch schlummert. Das wäre doch gerade das Faszinierende gewesen, zu sehen, wie sich sein Lehren von Kenobi und Yoda unterscheidet.

Wo wir von Yoda sprechen, der kommt auch vor. Zumindest seine Puppe. Ich weigere mich zu sagen, es handle sich dabei um Yoda (nebenbei bemerkt, warum sehen die Masken und Puppen aus den 80ern eigentlich besser aus als die modernen?). Der gute taucht auf, verhält sich aber nicht wie der Jedi-Meister aus TESB und RotJ, sondern wie der kleine Muppet, der nur Show war und dazu diente, Luke zu testen. Dann darf er noch absolute Plattitüden erzählen, wonach man am meisten aus Scheitern lernt. Das widerspricht zwar völlig dem Kanon-Yoda, der in RotJ noch Luke dafür zurechtweist, dass er Vader zu früh entgegengetreten ist, aber nur ich schein mich dafür zu interessieren.

Jetzt noch die Erklärung zur Überschrift. Mir ist die Woche einfach aufgefallen, dass der Plot zwischen Kylo Ren und Luke Skywalker vom Animationsfilm Kung Fu Panda ebenfalls bearbeitet wurde. Nicht nur ebenfalls, sondern weitaus besser. In diesem Film weckt Meister Shifu in seinem Schüler Tai Lung die Hoffnung darauf, der größte Kung-Fu-Meister Chinas zu werden. Jedoch sieht dessen Meister Oogway Dunkles im Herzen Tai Lungs und verwehrt ihm dies. Shifu stellt sich nicht hinter seinen Schüler. Daraufhin fühlt sich auch Tai Lung verraten. Man kann die Parallelen vielleicht sehen. Letzten Endes ist aber dieser kleine Animationsfilm deswegen besser, weil er nicht nur Zeit für diese Handlung aufwendet, sondern auch Tai Lung eine intrinsische Motivation gibt, während Kylo Rens Dunkelheit von Snoke zu kommen scheint. Aber dem guten Kylo reden wir noch.

Die Räder am Bus drehen sich rund herum, rund herum…

Kaum entkommt die Flotte des Widerstands in den Hyperraum, ist die Erste Ordnung schon da. Man schlussfolgert, dass diese auch im Hyperraum orten kann. Plötzlich beginnt ein Technogebabbel, das wirklich mehr zu Star Trek gehört. Das Problem ist natürlich, dass man dann auch schön die Details auseinandernehmen kann. Aber der Reihe nach.

Der Widerstand kann nicht in den Hyperraum fliehen, da man dann direkt geortet werden könnte und ihnen dann der Treibstoff ausgehe (was mehr ins EU und nicht die Filme gehört, aber sei’s drum). So hält man die Flotte einfach auf Abstand. Kylo Ren schafft es dann aber, mit nur drei Jägern, die Brücke des Hauptkreuzers und damit die gesamte Admiralität des Widerstands zu zerstören. Generell sind mir die Jäger in diesem Universum zu stark. Es scheint eine Videospielmentalität zu sein, wonach diese stärker sind, als ganze Flotten, was mir schon in TFA sauer aufgestoßen ist. Wobei ich dabei natürlich solche Klassiker wie X-Wing und Tie-Fighter beleidige, denn bei denen war jeder abgeschossene Jäger eine Errungenschaft.

Nun übernimmt Vizeadmiral Holdo das Kommando. Sie ist uns aus gleich zwei unsympathisch. Einerseits kann man sie dank ihrer lila Haare und ihrer Uniform, die mich unangenehm an Counselor Troi aus Star Trek: The Next Generation erinnert, schwer ernst nehmen. Andererseits scheint sie Poe, einer unserer Sympathiefiguren, feindlich gesinnt, weil er ein impulsives Fliegerass ist. Zudem hätte die gute Frau uns einen ganzen Nebenplot ersparen können. Anstatt Poe einfach zu sagen, dass man vor hat, mit den Transportern den Kreuzer zu verlassen, um einen verlassenen Rebellenstützpunkt zu erreichen, behält sie dies für sich. Die Gründe finden sich dann wieder in der linken Tasche des Autors.

So versuchen, Poe, Finn und Rose, auf das Hauptschiff der Ersten Ordnung zu kommen, um Hyperraumscanner zu deaktivieren. Was das bringen soll, weiß ich nicht. Jetzt kommen die Details. Laut Aussage des Films fällt dieser Scanner für ca. sechs Minuten aus. Aber wenn der Scanner im Hyperraum Raumschiffe aufspüren kann, wird er das auch ein paar Minuten später tun. Welchen Vektor die Schiffe beim Sprung haben, konnte man schließlich immer ermitteln. Wir sagen aber mal, das ergibt doch Sinn, dann kann ich Holdo nämlich die ganze Schuld an diesem Plot geben.

Die drei  kontaktieren Maz Kanata aus TFA, die in einem Videospiel gefangen zu sein scheint. Die schickt sie zum Meister Codehacker auf einem Casinoplaneten. Der ganze Plot führt ins Nirgendwo, deswegen kürze ich einfach ab. Sie finden zwar nicht den eigentlichen Hacker, sondern zufällig einen anderen, der das auch kann. Selten habe ich ein wandelndes MacGuffin gesehen: hier ist es. Sie hacken sich in die Schilde (tarnen sich natürlich auch per Computer) betreten das Schiff der Ersten Ordnung – und werden gefasst. Sie erreichen gar nichts. Gleichzeitig haben die Transporter aber den Kreuzer verlassen und werden von der Ersten Ordnung angegriffen. Deswegen steuert Holdo, die alleine dort verblieben ist, den Kreuzer per Hyperraum kamikazemäßig in die Flotte der ersten Ordnung.

Die Probleme damit sind unbeschreiblich. Zwar sieht es gut aus (beim Sound bevorzuge ich ja immer noch die Seismischen Bomben aus AotC), aber die gesamte Kriegsführung ist damit erledigt. Warum agiert man dann nicht immer so? Tatsächlich war der Todesstern stets etwas lächerlich, denn wenn man Schiffe mit Lichtgeschwindigkeit hat, reicht eines in der Größe eines X-Flüglers, um einen Planeten zu zerstören. So gab es eine Art Gentleman’s Agreement, dass man andere Schiffe im SW-Universum nicht mit Lichtgeschwindigkeit rammt. Aber das interessiert ja nur mich.

So darf Holdo eine Art Heldentod sterben, dabei sind unter ihrem Kommando noch mehr Schiffe verloren gegangen als unter Poes eigenmächtigem Angriff. Der Widerstand ist genauso weit wie vorher, nur ohne Flotte. Poe hat jetzt gelernt, dass man nicht immer aktiv handeln muss, sondern der strategische Rückzug auch manchmal vonnöten ist. Das wusste er schon am Anfang von TFA, aber wen juckt das schon. Finn ist das ärmste Opfer dieses Films. Konnten wir in TFA noch miterleben, wie er zum ersten Mal zu einer Person wurde, ja, wie seine erste Freundschaft entstand sahen wir, darf er hier nichts mehr tun. Während des gesamten Subplots wird er nur mitgeschleppt. Rose, jemand, den wir nicht kennen und uns damit auch nicht interessiert, überstrahlt ihn dabei als aktive Figur. Es ist bezeichnend, wenn sich Finn nur schwer dabei durchsetzen kann, Poe seinen Plan zu erklären, obwohl Rose Poe überhaupt nicht kennt und allein deswegen ein wenig Zurückhaltung üben sollte.

Ein Mädchen, ein Junge und ein Mann im Bademantel

Die weiteren wenigen guten Momente gehen auf das Konto von Rey und Kylo Ren. Snoke hat eine Machtverbindung (übrigens auch nicht neu, kennt das EU schon) zwischen den beiden aufgebaut, sodass diese immer wieder telepathisch im Kontakt stehen. An diesen Szenen habe ich wenig auszusetzen gehabt. Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, diese gingen in eine gewisse Richtung, wäre es freilich noch besser gewesen. Weder Rey noch Kylo scheinen einen wirklichen Plan für die Zukunft zu haben. Rey hätte diese Verbindung gezielt nutzen können, um herauszufinden, warum Kylo gerade die dunkle Seite gewählt hat, als er glaubte, Skywalker habe ihn verraten. Er hätte Jedi bleiben können – eben unabhängig von Luke. Oder ein grauer Jedi. Soviel Nuancen vertrug das EU zum Beispiel. Auch wäre es interessant zu wissen, wie die Ausbildung bei Snoke aussah. Doch das sind nur einige Ideen.

Problematischer ist die Sache bei Kylo Ren. Was will er haben? Die Position Darth Vaders an Snokes Seite? Den Mantel des Dunklen Lords selbst? Etwas eigenes? Er weiß es nicht, Johnson weiß es nicht, wir wissen es nicht. Er tötet Snoke, doch scheint das mehr aus der Not heraus geboren worden zu sein, nicht Rey töten zu wollen. Sonst hätte man das deutlich besser erarbeiten können, denn der gute Kylo Ren bewegt sich hier sauber auf guten alten Sith-Wegen.

Aber der gute alte Snoke muss noch besprochen werden. Was haben die Fans nicht spekuliert, was es mit ihm auf sich hat (auch mit Rey). Dabei war nicht so sehr die Idee, eine bestimmte Theorie müsse stimmen. Vielmehr hat man eine schwache Figur wahrgenommen und wollte diese durch solch eine Verknüpfung retten. Der Imperator hatte das beispielsweise nicht nötig: Er war das personifizierte Böse, ergötzte sich daran und brannte sich damit in das Gedächtnis der Zuschauer. Snoke hingegen reiht sich mit Phasma in die Reihe der nutzlosen Figuren ein, die letzten Endes die Filme mehr belasten als bereichern. Zwar wird er mit großen Machtfähigkeiten gezeigt, aber Johnson hat er offensichtlich nicht interessiert. Dabei hätte er keine große Enthüllung gebraucht – nur ein Ziel, einen markanten Charakterzug, eine Symbolik, was auch immer, irgendetwas. Aber leider haben sich die Fans mehr Gedanken gemacht als die Macher.

Sobald Kylo Snoke tötet passiert etwas wirklich Geniales. Aus manchen Serien kennt man das Phänomen der Figur, die erst für die bösen arbeitet, aber offensichtlich in einem inneren Konflikt steckt und dadurch interessant wird. Der Übergang zur guten Seite bringt jedoch stets den Verlust dieses interessanten Zuges mit sich. Kylo ist da genau umgekehrt. Bis zum Thronsaal steckt er dank Rey in einem Konflikt. Mit Snokes Tod verflüchtigt sich dieser und Kylo Ren ist nur ein monomanischer Irrer. Schade.

Drücken Sie F zum Verschanzen

Die Basis ist alt. Wirklich alt. Und sieht optisch der Echo-Basis in vielerlei Hinsicht verdammt ähnlich. Eigentlich gibt auch diese kaum Hoffnung. Die Notsignale bleiben unbeantwortet. Die Erste Ordnung rückt mit einer Ramme an, die die dicken Tore aufbrechen soll. Mit den letzten verbliebenen und viel zu alten Speedern stellt man sich gegen die AT-AT-Walker und die Tie-Fighter. Glücklicherweise werden die Ties durch Rey und den Millenium Falken weggelockt. Aber Poe hat seine Lektion gelernt und bricht den Angriff ab. Moment, was tut er? Ja, er bricht den Angriff ab. Ich hatte, glaube ich, nicht erwähnt, dass die Basis keinen Hinterausgang hat, oder? Eine Flotte hat der Widerstand auch nicht mehr. Das ist so, wie wenn Luke, Wedge und Biggs in KdS gesagt hätten, nein, wir drehen jetzt ab und kehren zur Rebellenbasis auf Yavin IV zurück, um… genau, um was zu tun? Einfach sterben? Es soll Poes Charakterbogen darstellen, dass er gelernt habe. Eher scheint er einen Kurzschluss erlitten zu haben: „Lieber tot dort drin als noch toter hier draußen. Du Güte gut, was ich da reden!“

Finn scheint nun dem Autor zu entgleiten. Hitzköpfig bereitet sich dieser darauf vor, einen Kamikazeangriff auf die Ramme auszuführen, damit sich seine Freunde weiter in der Basis verschanzen können. Wird er noch etwas Sinnvolles in diesem Film tun können? Natürlich nicht, schließlich ist Rose, die gefügige Handlangerin des Autors zur Stelle. Diese rammt Finns Schiff und verhindert dessen Opfer. Bei dem Manöver hätten zwar beide drauf gehen können, aber der Dialog ist wirklich göttlich: „Wir retten die Welt nicht, indem wir das zerstören, was wir hassen, sondern dadurch, dass wir retten, was wir lieben.“ Ich bitte dich. Sie hat gerade dafür gesorgt, dass, soweit sie es weiß, der Widerstand nun völlig ausgelöscht wird. Gut gemacht.

Jedoch taucht Luke auf und lenkt Kylo Ren bzw. die Erste Ordnung ab. Nicht persönlich, sondern als Machtvision. Endlich agiert er, wie man es erwartet hätte (soviel zum Thema, der Film handle gegen Erwartungen) und stellt sich den Bösen. Die Langweiligkeit Kylo Rens in diesem Stadium und der Vorlauf Lukes trüben die Szene, aber sie selbst ist eigentlich ganz gut gelungen, wobei ich das ein wenig Mark Hamills Schauspiel zuschreibe. Zuvor gibt es eine ganz anrührende Szene zwischen Luke und Leia, wobei auch diese nur schmerzhaft darauf aufmerksam macht, dass man zwar einen Film mit Han, Luke und Leia haben wollte – keineswegs über sie.

Luke stirbt, der Widerstand, oder was davon noch übrig ist, entkommt auf dem Falken. Das erlösende Ende flimmert über die Leinwand.

Das ist wie Star Wars zu Grunde geht: Mit donnerndem Applaus.

Was bleibt von TLJ? Nicht viel. 3000 Worte habe ich darüber verloren, was mir an diesem Film missfallen hat. Polemisch habe ich nach dem Verlassen des Kinos zu meinen Freunden gesagt: „Naja, ich hasse den Film nicht komplett. Nur zu 95 %“ Die positiven Dinge lassen schnell aufzählen: Wenn Luke Rey in ein oder zwei Szenen wirklich unterrichtet, Reys Interaktion mit Kylo Ren, BB-8 behält seine aufgedrehte Persönlichkeit, Luke am Ende mit Leia und bei seiner Konfrontation. Das ist wahrlich nicht viel. Selbst der unsterbliche John Williams bekommt nur einen mäßigen Soundtrack zustande, der nur so vor Selbstreferenzen strotzt (wobei diese normalerweise passend gewählt sind). Doch selbst die PT kann in der Sicht mit mehr aufwarten.

Was ist aber das größte Verbrechen dieses Films? Dass er mich dazu gebracht hat, mich nicht mehr für dieses Universum zu interessieren. Ich habe keine Ahnung, wohin die Reise im nächsten Film und es interessiert mich auch nicht. Die Situation des Widerstands ist völlig hoffnungslos (Vielleicht eine subtile Metapher für die Fans? Die Erste Ordnung (=Disney) hat alles vernichtet, aber euch bleiben noch kleine Fetzen, so erfreuet euch an ihnen? Wer weiß.) und es scheinen die Personen Verantwortung zu übernehmen, die mich nicht kümmern. Man war sehr um „diversity“ besorgt, hat darüber aber vergessen, dass diese Charaktere mehr brauchen, um ikonisch zu werden. Nach Jahrzehnten reden wir noch über Luke Skywalker und Darth Vader. Werden wir uns noch in zwei Jahren an Rose und Holdo erinnern?

Man sehnt sich nach der Ehrlichkeit der PT zurück. Selbst die Optik der Filme wird nur dazu verwendet, damit es sogleich als Star Wars zu erkennen ist. Der tiefere Sinn, warum manche Designs so ausgefallen sind, wie sie es sind, fehlt. Sogar John Williams fügt sich in dieses Bild ein. Manch vergleiche aber nur mal die Extras zu TFA und wie da die Harmonie heraufbeschworen wird, wie toll doch alle und alles sei. Dann schaue man diese Dokumentation zu Episode I an. Was fühlt sich mehr nach kalkulierter Geldquelle an? Und wer glaubt, Disney mache nach Episode IX Schluss, der ist an Naivität nicht zu überbieten.

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Abkürzungen:

TLJ – The Last Jedi (dt. Episode VIII: Die letzten Jedi)

TFA – The Force Awakens (dt. Episode VII: Das Erwachen der Macht)

AotC – Attack of the Clones (dt. Episode II: Angriff der Klonkrieger)

RotS – Revenge of the Sith (dt. Episode III: Die Rache der Sith)

EU – Expanded Universe (dt. Erweitertes Universum)

Kds – Krieg der Sterne (a.k.a. Episode IV: Eine neue Hoffnung)

TESB – The Empire Strikes Back (dt. Episode V: Das Imperium schlägt zurück)

RotJ – Return of the Jedi (dt. Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter)

 

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