Feinschwarz.net

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Ach, Feinschwarz, Feinschwarz,… Ich weiß auch nicht, warum ich immer wieder bei dieser Seite lande, obwohl ich kaum Artikel finde, an denen ich nichts auszusetzen habe. Wirklich schlimm wird es aber dann, wenn Fehlinformationen verbreitet werden oder lehramtliche Texte so entstellt werden, wie es einem studierten Theologen unwürdig ist. Dazu möchte ich nur ein paar Beispiele zeigen.

Ein bisschen ärgerlich

Als erstes geht es um den Text „Vom Brotbrechen zum Steh-Imbiss?“. Dieser Artikel behandelt die Frage, ob die jetzige Eucharistiepraxis mit dem antiken Herrenmahl vereinbar ist und wie diese verbessert werden könnte. Wie soll ich aber einen Text ernst nehmen, der Falschdarstellungen enthält (völlig abgesehen davon, dass ich die „Lösungen“ scheußlich finde)? Da wäre zum einen die Behauptung: „Nach und nach aber – je größer der Graben zwischen Amt und Laien wurde – wurde dem Gottesvolk die volle Teilhabe am regelmäßigen und vollen Mahl vorenthalten.“ Da gibt es nur ein Problem. Die gesteigerte Eucharistiefrömmigkeit, die sich als unwürdig zum Empfang sah, kam von den Laien. Es ging teilweise so weit, dass die Kirche – also das Amt – den Gläubigen vorschreiben musste, regelmäßig (wie oft genau im Jahr schwankt von Zeit zu Zeit) die Kommunion zu empfangen. Hier wird nur versucht, künstlich einen Konflikt zwischen Laien und Amt aufzubauen. Beim dummen Gläubigen kann es ja machen. Das sind übrigens die Momente, in denen ich mich daran erinnere, wie immer erzählt wird, die Kirche habe die Menschen dumm gehalten. Immer mehr habe ich das Gefühl, dass sich Theologen genau das zum Ziel gesetzt haben.

Das nächste ist mehr eine Beobachtung. Als zweites Problem der Eucharistiepraxis heute wird angemahnt, der Mahlcharakter habe sich verflüchtigt. Dieses Maß an unterschiedlicher Wahrnehmung lässt mich erstaunt zurück. Welcher Charakter der Messe soll denn dann im Bewusstsein der Gläubigen sein? Der Opfercharakter? Das ich nicht lache. Ich konnte jahrelang in die Kirche gehen, ohne etwas vom unblutigen Opfer Christi in der Messe zu erfahren. Da  ging es nur darum, dass man am Sonntag mit der Gemeinde Gottesdienst feiert.

Lass meinen Papst in Ruhe!

Das nächste Beispiel ist noch vergleichsweise jung und trägt den Titel „Möglichst einmütig – wofür?“. Hier geht es um einen Kommentar zur Entscheidung des Vatikans zur Handreichung der deutschen Bischöfe für gemischtkonfessionelle Ehepaare, zu der sieben der Bischöfe gewisse Fragen hatten. Ich werde immer hellhörig, wenn jemand dem heiligen Johannes Paul II., nasze papież, irgendetwas unterstellt. So wird im Grunde insinuiert, der heilige Papst hätte das Anliegen der deutschen Bischöfe unterstützt, schließlich habe er in seiner Enzyklika Ut Unum Sint zur Ökumene gemahnt. Das Mahnen zur Ökumene stimmt zwar, ist aber nur die halbe Wahrheit.

Zuerst fällt auf, dass der Text die evangelischen Kirchen und die Protestanten nur am Rande erwähnt, die Lutheraner schon direkter. Vornehmlich geht es in dem Text nämlich um die orthodoxen Kirchen. Will mir Frau Faber ernsthaft erzählen, dass die in Absatz 79 erwähnten Mittel für die weitere Einheit der Christen für Evangelischen Christen akzeptabel sind?1 Und zum Thema Kommunionempfang, den schließt der heilige Papst lapidar aus:“ Gewiß ist es wegen der den Glauben berührenden Divergenzen noch nicht möglich, miteinander die Eucharistie zu feiern.“ (Ut Unum Sint, Abs. 45). Das erfährt man von Frau Faber aber nicht. Diese ist mehr damit beschäftigt, den sieben kritischen Bischöfen unlautere Absichten zu unterstellen, da diese laut ihr gegen die Ökumene seien, oder, wie sie es sogar in einer Zwischenüberschrift ausdrückt, „Es ist darum begründungspflichtiger, sich nicht ökumenisch anzunähern, als dies zu tun.“

Das erinnert mich dann doch unschön an die Politik. Die eine Partei möchte Maßnahme A durchführen, um ein Ziel X zu erreichen. Die andere Partei kritisiert Maßnahme A, weil diese dem Ziel X nicht dienlich sei. So beginnt die erste Partei damit, der zweiten Partei vorzuwerfen, das Ziel X nicht zu unterstützen. Das ist einer sachlichen Diskussion abträglich und einfach ärgerlich, vor allem da sich die Argumente der sieben Bischöfe in letzter Zeit bestätigt haben.

Das ist nur ein Satz…

Im letzten Beispiel wird es noch besser, es trägt den klingenden Titel „Gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Warum „Segnungen im Einzelfall“ keine Option sein sollten“. Bevor ich jedoch auf die Entstellung eines lehramtlichen Textes komme, sei noch ein Ärgernis erwähnt. Im Text argumentiert der Autor, eine Veranlagung müsse gut sein, denn die Schöpfung sei sehr gut gewesen und alles andere sei bei einem Gott, der liebend und gerecht sein soll, nur schwer vorstellbar. Das ist die Art der Argumentation, die ich bei Firmlingen noch verstehen könnte. Bei Theologen frage ich nur dumm nach, ob man denn beim Buch Genesis auch zum Kapitel drei (dem Sündenfall) gekommen sei.

Dann wird Gaudium et spes herangezogen, um zu begründen, dass Kinder für die Ehe nicht konstitutiv seien. Das ist mindestens mal irreführend. Schauen wir uns doch die fragliche Nummer 50 an. Sie beginnt: „Ehe und eheliche Liebe sind ihrem Wesen nach auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft ausgerichtet.“ Weiter heißt es: „In ihrer Aufgabe, menschliches Leben weiterzugeben und zu erziehen, die als die nur ihnen zukommende Sendung zu betrachten ist, wissen sich die Eheleute als mitwirkend mit der Liebe Gottes des Schöpfers und gleichsam als Interpreten dieser Liebe.“ In der Druckfassung umfasst diese Nummer über die „Fruchtbarkeit in der Ehe“ nebenbei bemerkt gut zwei Seiten. Der Tenor scheint klar zu sein. Es endet dann: „Wenn deshalb das – oft so erwünschte – Kind fehlt, bleibt die Ehe dennoch als volle Lebensgemeinschaft bestehen und behält ihren Wert sowie ihre Unauflöslichkeit.“

Anhand dieses einen Satzes wird geschlussfolgert, Kinder seien doch nicht so wichtig für die Ehe. Man muss sich das vorstellen: Der Text selbst beschreibt Satz um Satz, wie wichtig die Fruchtbarkeit für die Ehe ist und den Autoren wird das selbstverständlich vorgekommen sein – das scheint irgendwie Makulatur. Dabei bezieht sich der letzte Absatz, soweit ich das sagen kann, auf ganz andere Fälle. Es sind die, in denen die Frau aus welchen Gründen auch immer, nicht schwanger werden kann; oder, noch tragischer, in denen die Kinder schon während der Schwangerschaft sterben oder die Geburt nicht überleben. Ganz sicher hat niemand damit Paare im Blick gehabt, die rein biologisch unfähig sind, Kinder miteinander zu haben, wie es bei gleichgeschlechtlichen Paaren der Fall ist.

Warum ist es noch – jetzt neben Text und Kontext – irreführend? Weil der fehlende Wille zum Kind eine Ehehindernis und Ehenichtigkeitsgrund ist.

Das sind nur drei Beispiele, warum mir die Texte auf Feinschwarz.net manchmal sauer aufstoßen. Ich gebe zu, meistens sind die Texte nicht so krass wie diese. Und doch komme ich immer wieder zurück.

1 „1) die Beziehungen zwischen Heiliger Schrift als oberster Autorität in Sachen des Glaubens und der heiligen Tradition als unerläßlicher Interpretation des Wortes Gottes; 2) die Eucharistie, Sakrament des Leibes und Blutes Christi, dargebracht zum Lob des Vaters, Gedächtnis des Opfers und Realpräsenz Christi, heiligmachende Ausgießung des Heiligen Geistes; 3) die Weihe als Sakrament zum Dienstamt in seinen drei Stufen: Bischofsamt, Priestertum und Diakonat; 4) das Lehramt der Kirche, dem Papst und den in Gemeinschaft mit ihm stehenden Bischöfen anvertraut, verstanden als Verantwortung und Autorität im Namen Christi für die Unterweisung im Glauben und seine Bewahrung; 5) die Jungfrau Maria, Gottesmutter und Ikone der Kirche, geistliche Mutter, die für die Jünger Christi und für die ganze Menschheit Fürbitte leistet.“

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