Zum „Kommunionstreit“

Zum „Kommunionstreit“

„We’ll call you cannibals, but then get mad, when you won’t commune us.“

Dieses Video von LutheranSatire bei 4:05

Manche deutsche Bischöfe haben die Befürchtung ausgesprochen, wenn die Bistümer den Kommunionempfang der protestantischen Ehepartner in gemischtkonfessionellen Ehen unterschiedlich handhaben, dass dies zu Verwirrung führen könnte. Keine Angst, kann ich da nur sagen – die Verwirrung ist – zumindest bei mir – schon lange da. Die Argumentation, die Taten der verschiedenen Akteure – all das scheint mir ein großes Rätsel zu sein.

Am markantesten fällt mir das bei der Argumentation der Befürworter auf. Exemplarisch dient dazu Bischof Feige. Auf katholisch.de schrieb er nach der Mitteilung aus dem Vatikan, die Handreichung solle nicht veröffentlicht werden, mit aller Deutlichkeit: „Außerdem werden auf einmal Bedingungen zum Sakramentenempfang erhoben, die man gegenüber den eigenen Gläubigen gar nicht mehr durchzusetzen vermag.“ Der Bischof tut hierbei nichts Anderes, als das völlige Versage der Katechese in den letzten Jahrzehnten zu konstatieren. Die Argumentation vieler anderer bewegt sich ja auch auf dieser Ebene: Die meisten Katholiken wüssten gar nicht mehr so genau, was es mit der Eucharistie auf sich habe, also könne man das doch ruhig den Protestanten erlauben. Die Stichhaltigkeit dieser Argumentation sei mal dahingestellt – aber Spoiler, ich halte das für den letzten Mumpitz.

Bizarr wird das ganze aber, wenn derselbe Bischof dann später festhält: „Wir hingegen setzten letztlich auf einen geistlichen Weg und die Gewissensentscheidung des Einzelnen.“ Ist das Gewissen nun etwas fertiggestelltes, das nicht mehr gebildet werden muss? Wie passt das damit zusammen, dass selbst das Versagen der Katechese konstatiert? Fragen über Fragen.

Das ist übrigens der Punkt, an dem ich diesen Bischöfen gerne mal Realitätsferne vorwerfe. Das wird zwar aus säkularen Quellen gesagt, wenn sie einfach nur die Lehre fortschreiben, da finde ich es aber – selbstverständlich – verfehlt. Wenn die Herren Bischöfe und Kardinäle aber von „seelsorgerlichen Einzelgesprächen“ und „Gewissensentscheidung“ reden, frage ich mich ehrlich, in welchem Land die eigentlich leben. Zum Thema Einzelfälle ist mit diesen Beitrag übrigens alles gesagt.

Auch die Signale aus dem Vatikan sind mehr als fragwürdig. Erst gibt es ein Gespräch, dessen Ergebnis sagt, man solle zusammen an einer Lösung arbeiten. Dann gibt es eine klare Absage für eine Veröffentlichung der Handreichung. Plötzlich stellt sich der Papst hin und sagt, es sei nie darum gegangen, die Handreichung zurückzuhalten, sodass die Bischöfe diese Dokument jetzt auch veröffentlicht haben.

Ich habe das Dokument nicht vollständig gelesen. Aber ganz ehrlich: das werden die wenigsten, die jetzt zur Kommunion gehen, tun. Man braucht nichts von Einzelfällen zu reden. Diese sind schon in der Diskussion teilweise der allgemeinen Einladung von Protestanten zur Eucharistie gewichen. Trotzdem bin ich an einem Punkt hellhörig geworden, und zwar, als es um den heiligen Johannes Paul II., nasze papież, ging, der als Kronzeuge aufgerufen wird. Die Idiotie, bei dieser Sache „Ut unum sint“ zu zitieren, habe ich schon hier abgearbeitet. Jetzt geht es um die letzte Enzyklika dieses Papstes, Ecclesia de EucharistiaDa wird Folgendes zitiert:

„Wenn die volle Gemeinschaft fehlt, ist die Konzelebration [gemeint ist: zwischen Amtsträgern der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften] in keinem Fall statthaft. Dies gilt nicht für die Spendung der Eucharistie unter besonderen Umständen und an einzelne Personen, die zu Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften gehören,
die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen. In diesem Fall geht es nämlich darum, einem schwerwiegenden geistlichen Bedürfnis [gravi spirituali necessitati] einzelner Gläubiger im Hinblick auf das ewige Heil entgegenzukommen, nicht aber um die Praxis einer Interkommunion, die nicht möglich ist, solange die sichtbaren Bande der kirchlichen Gemeinschaft nicht vollständig geknüpft sind.“

So möchte ich am liebsten reagieren. Lernen diese Herren Theologen im Studium nur, wie man lehramtliche Texte nach Belieben zum eigenen Spaß verdreht? Schon im nächsten Absatz steht:

„In diesem Sinn hat sich das Zweite Vatikanische Konzil geäußert, indem es die Praxis bestimmte, die gegenüber den orientalischen Christen einzuhalten ist, die in gutem Glauben von der katholischen Kirche getrennt leben, spontan um den Empfang der Eucharistie aus der Hand eines katholischen Amtsträgers bitten und in rechter Weise darauf vorbereitet sind. (Nr. 45)“

Wie auch bei „Ut unum sint“ hat der heilige Papst viel mehr die orthodoxen Kirchen im Blick. Auch folgenden Satz wird man wahrscheinlich gekonnt ignoriert haben:

„Die Ablehnung einer oder mehrerer Glaubenswahrheiten über diese Sakramente, etwa die Leugnung der Wahrheit bezüglich der Notwendigkeit des Weihepriestertums zur gültigen Spendung dieser Sakramente, hat zur Folge, daß der Bittsteller nicht für ihren rechtmäßigen Empfang disponiert ist. (Nr. 46)“

Ich glaube, damit ist alles gesagt. Wer diese Voraussetzungen alle erfüllt, hat sowieso überhaupt keinen Grund mehr, Protestant zu sein. Vielleicht sollte die „deutsche Kirche“, die am liebsten über europäische und globale Verantwortung redet, aber am meisten an nationalen Themen abarbeitet, endlich mal begreifen, dass sich in der Welt keiner für unsere Anbiederung an die EKD interessiert.

 

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