Thomas von Aquin über Väter

Thomas von Aquin über Väter

Mein Vater hatte am Montag Geburtstag. Das ist auch gleichzeitig der Gedenktag es heiligen Thomas von Aquin. Da dachte ich mir, es wäre vielleicht interessant zu sehen, was der Aquinate unter anderem über Vätern zu sagen hat – auch wenn meiner Mutter das wohl nicht so gefallen wird.

Der Vater muß mehr geliebt werden wie die Mutter.
a) Das Gegenteil erhellt aus Folgendem:

I. „Das Weib,“ sagt Aristoteles (1. de Gener. 19.), „giebt den Körper.“ Die Seele aber ist in jedem einzelnen Falle erschaffen von Gott. Also hat der Mensch mehr von der Mutter wie vom Vater.

II. Die Mutter liebt mehr wie der Vater ihr Kind. Also muß sie auch in höherem Grade wiedergeliebt werden. (9 Ethic. 7.)

III. Jenem gebührt mehr Liebe, der mehr für die Kinder gearbeitet hat, nach Röm. 16.: „Grüßet Maria, die viel gearbeitet hat unter euch.“ Die Mutter hat aber mehr Mühe und Qual bei der Kindererzeugung und bei der Erziehung, wie der Vater, so daß Ekkli. 7. es heißt: „Die Seufzer deiner Mutter vergesse nicht.“

Auf der anderen Seite sagt Hieronymus zu Ezech. 44. (Sabbata mea sanctificabunt): „Nach Gott, dem Vater aller, ist der Vater zu lieben und dann die Mutter.“

b) Ich antworte, hier müsse man über die Sachlage, wie sie an sich betrachtet ist, urteilen. Denn in den einzelnen Fällen kann man oft das Wort des heiligen Ambrosius bewahrheitet finden: „Gute Dienstleute sind besser als schlechte Kinder.“

Wird also die Sache an sich betrachtet, so ist der Vater mehr zu lieben wie die Mutter. Denn Vater und Mutter werden geliebt wie gewissermaßen die Principien des natürlichen Ursprunges. Nun ist der Vater Princip in der Weise des Einwirkenden, die Mutter in der Weise des Stoffes, der empfängt und leidet. Also ist der Vater als das höhere, thätige Princip mehr zu lieben wie die Mutter.

c) I. Die Mutter bietet den formlosen Stoff bei der Zeugung; derselbe erhält seine Form, wodurch er ein Sein wird, von der formenden Kraft im Samen des Vaters. Und obgleich eine solche Kraft die vernünftige Seele nicht erschaffen kann; sie bereitet aber den Stoff vor zur Aufnahme einer derartigen Wesensform.

II. Das gehört zu einer gewissen Art von Freundschaft. Denn eine andere ist die Freundschaft, kraft deren wir den uns liebenden lieben; und eine andere jene, kraft deren wir den Erzeuger lieben. Wir sprechen jetzt von der letzteren.

Dasselbe gilt für III.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s