Ein kleiner Schritt…

Vor mittlerweile einer Woche habe ich meinen Lektoren- bzw. Kommunionhelferdienst niedergelegt. Gegen ersteren hätte ich eigentlich nichts weiter gehabt, aber die Crux ist der außerordentliche Dienst des Kommunionhelfers. Wobei er in den meisten Gemeinden, zumindest in der Diaspora, eigentlich wöchentlich anzutreffen ist. Seine absurde Irrelevanz wird dann klar, wenn der Organist kommunizieren möchte, man den ganzen Weg zur Empore zurücklegt, und der Priester die ganze Gemeinde bis auf eine Handvoll Gläubigen abgefrühstückt hat, – die dann sowieso zur Kategorie „Notorischer Kommunionhelferverweigerer“ gehören, die aus Trotz im Knien die Mundkommunion aus des Geweihten Hand empfangen.

Aber so viel geht bei dieser Praxis verloren, nicht zuletzt die Scheu vor der Eucharistie. Wenn es dann noch Gang und Gäbe ist, dass der Kommunionhelfer die Hostien aus dem Tabernakel holt, was natürlich verboten ist, das stört in Deutschland nun wirklich keinen, wird einem nie bewusst, dass die Heilige Messe eigentlich ein vis-a-vis des Priesters mit der Eucharistie sein sollte. Wobei der Tabernakel seit dem Umbau in den 90er Jahren (nicht kurz nach der Liturgiereform, wie ich naiverweise annahm) in „unserer“ Kirche (eigentlich gehöre ich seit meinem Umzug zu einer anderen Gemeinde, aber die Wege sind nicht lang) strunzdämlich so weit wie möglich vom Altar weggebaut wurde, damit er während des Messgeschehens maximal in die Peripherie gerät. Konsequenterweise schließen die Kinder, sollten sie denn erscheinen, wenn sie zum Vater Unser um den Altar stehen, den Tabernakel aus ihrer Mitte aus (übrigens betrifft die dümmste Änderung in der Kirche das Bild hinter dem Altar: Dort zu sehen sind drei Mosaike, welche den Herrn am Kreuz, die drei Frauen, die bei ihm waren und Johannes zeigen. Nachdem der schöne Hochaltar, der natürlich nochmals erhöht stand, aber durch einen schnöden Volksaltar getauscht worden ist, „wirkte das Bild so leer“, weswegen die Fläche zwischen Mosaiken nochmals bemalt werden musste. Mir wäre ein weit simplere Variante eingefallen, dies zu lösen).

Nun durfte ich meinen Dienst zum letzten Mal ausführen. Welch Glück, ich traf nicht nur auf einen Familiengottesdienst, sondern auch noch auf eine Wortgottesfeier. Zwar hatte ich bereits vorher definitiv beschlossen, den Dienst, den ich ohnehin in dieser Form nicht mit meinem Gewissen vereinbaren konnte, niederzulegen. Allerdings hätte mir diese Schandtat, die sich als Gottesdienst tarnte, genug Grund gegeben, es auch so bleiben zu lassen.

Familiengottesdienste sind sowieso eine Sache für sich. Immer wenn ich in den letzten Jahren wusste, dass ich demnächst in solche einen Gottesdienst durfte, musste ich an einen Legionär aus Asterix – Der Gallier  denken.

asterix ga2
„Ich darf in den Zirkus! Ich darf in den Zirkus!“

Schon beim Gang in die Sakristei wurde ich überrascht. Ich bin wirklich kein unbekanntes Gesicht in meiner alten Gemeinde und mir sind die meisten eigentlich auch bekannt. Als dann aber eine Blondine mittleren Alters vor mir stand, die offensichtlich den kommenden Gottesdienst leiten sollte und ich das Gesicht überhaupt nicht zuordnen konnte, war ich baff. Später in der Sitzbank fragte ich meinen Vater, wer das eigentlich sei, aber er wüsste das auch nicht. Typisch Eltern: wohnen direkt neben der Kirche und wissen von allem als letztes. Nach dem Gottesdienst stellte sie sich als neue Gemeindereferentin heraus, die aber überwiegend in einem anderen Teil der Gemeinde unterwegs ist.

Letzten Endes war es aber wohl nicht das Schlimmste, dass ich von ihr noch nichts gehört habe, denn es zieht sich wie ein roter Faden durch mein Verhältnis zu den Gemeinde- und Pastoralreferenten meiner Gemeinde: Theologisch sehen wir irgendwie immer alles anders.

Interessanterweise waren das diesmal nicht die großen Gesten sondern kleine Momente, an denen ich das merkte (dieser Schmarn Wortgottesfeier ist halt etwas flexibler, als es eine heilige Messe ist). Zum Beispiel waren die Erstkommunionkinder dabei, deren Kerzen gesegnet werden sollten. Die gute Gemeindereferentin beschrieb dies und erwähnte wie beiläufig, dass, wenn jemand sonst noch eine Kerze dabei habe, könne man diese auch segnen. Man muss gesehen haben, um es zu glauben, wie sie sich um den Grund gewunden hat, warum überhaupt jemand eine Kerze dabei haben sollte. Die Worte „Maria Lichtmess“ wollten ihr partout nicht über die Lippen (Übrigens gab es bei uns zu diesem Fest generell nichts, was mich ohnehin schon gereizt hat).

Die Lesung hat sie zum Glück nicht angerührt (natürlich nur eine, warum fragt ihr? Wenigstens war es der Korintherbrief). Das Evangelium hat sie geändert, der Text habe besser zu einem Familiengottesdienst gepasst. Die „Predigt“ war natürlich ein Anspiel, bei diesem Schmarn muss immer ein Anspiel dazu. Fremdschämen par excellence. Inhaltlich völlig banal und technisch eher dürftig. Aus irgendeinem Grund haben wir genug Mikrofone, aber bei einem Anspiel besteht die Gruppe immer darauf, es mit einem einzigen durchzuziehen, welches man dann weiterreicht. Unprofessionell ist da gar kein Ausdruck.

Ansonsten gab es keine Orgel, sondern die beklagenswerte Band, die die ollen Kamellen nochmals schmettern konnte. Dabei fand ich das neue Erstkommunionlied überhaupt nicht eingängig und textlich stellenweise sogar gefährlich. Die schlimmste Zeile hieß „Gott will nicht die Frommen und Stolzen“. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da präsentiert man den Kindern ein Lied, welches eine untadelhafte Tugend mit der obersten aller Todsünden gleichsetzt. Dann wundert man sich wirklich, warum wir einen Priestermangel haben.

Beim Blasiussegen hat die gute Gemeindereferentin es nicht lassen können, darauf hinzuweisen, dass es ja eigentlich Gottes Segen sei und man ihn nur aus historischen Gründen mit dem heiligen Blasius verbinde, etc. Wer will das nicht? Reflexartige Verteidigung gegen Protestanten von denjenigen, die einfach den Katholizismus vertreten sollen.

Den Vogel abgeschoßen hat man aber nach der Bagage in der Sakristei. Der Lektor hat bei uns die ehrenwerte Aufgabe, die Kollekte zu zählen. Da darf ich dann Folgendes mitanhören:

„Na, Frau Pfarrerin?“
„Ja, die Leute gewöhnen sich langsam daran.“

Da bin ich dann so schnell wie möglich geflüchtet. Nicht nur, dass ich das einfach theologisch für traurig befinde, es ging in dieser Situation, völlig ab von allen anderen Überlegungen, einfach an der Realität vorbei. Die meisten Leute in diesem Gottesdienst waren aufgrund der Erstkommunion der eigenen Kinder dabei, ein Großteil  der regelmäßigen Gottesdienstteilnehmer bleibt aus Prinzip dem Familiengottesdienst fern. I don’t blame them.

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